FORUM: Sicherheitstechnik – quo vadis?
Ladungsrisiken „Natürlicher Schwund“ contra Totalüberwachung
Donnerstag, 4. März von 14:00 bis 15:30 Uhr , Forum III – Halle 5
Organisation: Fachzeitschrift Logistik & Fördertechnik, swissprofessionalmedia AG, Basel
„Natürlicher Schwund“ wird die Lücke manchmal genannt, die zwischen Soll- und Ist-Beständen am Point of Sale aber auch im Lagerbereich klafft. Für andere ist die „Inventurdifferenz“ keine „Frage der Ehre“, sondern eine des „Organisierens“. Daten- und Video-Überwachungsaffären der jüngeren Zeit brachten eine Debatte in Gang, die längst nicht abgeschlossen ist. Ohne Kontrollen geht es offenbar nicht. Doch wie weit darf die Sicherheitstechnik gehen, ohne den Menschen selbst zum Gegenstand einer Totalüberwachung zu machen?
Auf über 4 Mrd. Euro beziffert der Handel seine alljährlichen Verluste. Im Hintergrund steigen auch die Anforderungen an die Logistik. „Der Schwund“, sagt Robert Eck, Geschäftsführer eines in Berlin ansässigen Sicherheitssystem-Dienstleisters, „übersteigt mancherorts den Unternehmensgewinn“. Andere Schäden reichen vom Transportschaden, der aufgerissenen Verpackung eines Mobiltelefons, bis hin zum organisierten Bandendiebstahl. Versicherer haben inzwischen ein Auge darauf, ob versucht wird Schäden zu verhindern, oder ob sie billigend in Kauf genommen werden. Schließlich weiß oft auch keiner, ob der Schaden am Warenausgang, beim Transport oder beim Zieladressaten entstand. Affären, wie die um einen Lebensmittel-Discounter, der mit einem kompletten Kamera-Arsenal Mitarbeitende beobachtete, um angeblich Ladendiebstähle, tatsächlich jedoch Toilettengänge und Belange der Persönlichkeitssphäre zu dokumentieren, haben sensibel gemacht.
Mit der Weiterentwicklung von Materialflusssystemen, die am Wareneingang und -ausgang bereits in hohem Masse in eine zunehmend engmaschiger werdende Matrix von Barcode, RFID, Herkunftsdaten und Lagerverwaltungs-Koordinaten eingefasst sind, rücken weitere High-Tech-Varianten in greifbare Nähe. Die zusätzliche Verknüpfung des Warehouse-Managements mit der Bestandsprüfung durch Methoden der Video-Überwachung stieß bereits anlässlich der LogiMAT 2009 auf reges Interesse, aber auch Skepsis. Die Kopplung des Kamera-Systems mit der lagertechnischen Erfassung zeigt auf, dass die Medaille mehr als zwei Seiten hat.
Anlässlich des Forums „Sicherheitstechnik – quo vadis?“ präsentieren Fachleute ihre Sicht der Dinge. Video-Überwachungssysteme, heißt es, haben sich an Geldautomaten und Tankstellen bewährt, weil sich dort auch der Kunde sicherer fühlt. In Lagerbetrieben und an der Rampe können die Beschäftigten durch das aufgezeichnete Videomaterial korrektes Verhalten nachweisen. Sei die Belegschaft über die Maßnahme orientiert und habe ihr Einverständnis erklärt, diene die Videokopplung sogar als Schutz für die Beschäftigten. Voraussetzung sei, dass sich Betriebsrat und Geschäftsleitung darüber verständigt hätten. Interessant dürfte die Diskussion dadurch werden, dass Gewerkschaftsvertreter Gelegenheit haben, sich zu dieser Form der Überwachung zu äußern.
Abseits der Video-Überwachung gilt als unstrittig, dass der Wert vieler Sendungen, und somit auch der Sicherheitsbedarf im Transportbereich und in den Distributions-Zentren steigt. Schäden entstehen auch durch falsche Zuordnung, Verletzung von Urheberrechten, das Durchbrechen von Sicherheitsbarrieren und Informationsmissbrauch. Überwachungs- und Identtechniken sind hier nicht nur behilflich Missbrauchsfällen vorzubeugen, sondern auch Unfallrisiken zu meiden, temperaturkonditionierte Transporte und Qualitätsansprüche des Endverbrauchers sowie die Einhaltung von Standards zu sichern.
Die Frage ist, ob Arbeitssicherheit, der sorgfältige Umgang mit kritischer Ware (Gefahrgut) und Fürsorgepflichten gegenüber ökonomischen Zwängen noch ausreichenden Stellenwert einnehmen, ob sie ins Hintertreffen geraten oder ob sie - nach sorgfältiger Abwägung - nicht auch einander ergänzen können.
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Logistik & Fördertechnik
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